Was macht eigentlich …… der Illustrator Sebastian Lörscher?

Mit dem Skizzenbuch unterm Arm im indischen Bangalore – das ist die gezeichnete Geschichte des Illustrators Sebastian Lörscher. Sein Buch »Making friends in Bangalore« (Büchergilde Gutenberg) hat es 2014 unter die 25 Schönsten deutschen Bücher geschafft.

SB: Unsere Jury sagt über das Buch: »Eine einzigartige Graphic Journey«! Gab es das Format so schon vorher oder hast du es neu geschaffen?

SL: Die »Graphic Journey« ist angelehnt an den allseits bekannten Begriff der »Graphic Novel«. Eine Graphic Novel eben, in der es ums Reisen geht. Dieses Format ist meinem Verlag eingefallen und man wollte damit eine neue Programm-Sparte aufmachen. Die Bezeichnung gab es vorher so noch nicht, die Graphic Novel, in der Reiseerfahrungen thematisiert werden, habe ich jedoch nicht erfunden. Da habe ich bekanntlich schon allerhand namhafte und großartige Vorgänger.

Noch nicht allzu oft dagewesen ist aber möglicherweise der Erzählstil des Buches. In »Making Friends in Bangalore« zeichne ich meine Erlebnisse alle aus der Ego-Perspektive und vermische zudem vor Ort gezeichnete Skizzen mit nach meiner Reise angefertigten Zeichnungen.

SB: Wohin soll die nächste Illustrations-Reise gehen und warum?

SL: Die »nächste Zeichenreise« liegt schon wieder hinter mir und das daraus entstandene Buch ist vor Kurzem bei der Edition Büchergilde erschienen. In »A bisserl weiter … geht’s immer!« erzähle ich die Geschichten und Abenteuer, die mir bei meinem zeichnerischen Streifzug durch das wilde Österreich widerfahren sind.

Meine bisherigen Reisen hatten mich nach Indien (2011) und Haiti (2012–2013) geführt, wo ich über das Zeichnen in den Straßen mit den Menschen in Kontakt kam. Ich brauchte nur mein Skizzenbuch aufschlagen und den Stift ansetzen und schon standen binnen kürzester Zeit scharenweise Menschen um mich herum, die mir zusahen, mit mir redeten und mich daraufhin oft mitnahmen und mir Orte ihrer Stadt zeigten.

Diese Methode des »Zeichnens als Türöffner« fand ich weiterhin sehr spannend, wollte sie aber bei meinem nächsten Projekt gerne in einem »unexotischen« Land ausprobieren – einem Land in meinem Kulturkreis, wo ich nicht allein schon wegen meiner Hautfarbe auffallen würde. So kam ich auf Österreich. Dort haben mich jedoch auch viele andere Dinge interessiert: u.a. die Sprache, das Leben in den Bergen oder die daher kommenden Künste. Und nach etwa dreieinhalb Monaten Aufenthalt musste ich feststellen, dass Österreich durchaus auch außerordentlich exotisch sein kann.

SB: Eine andere »Spezialität« von dir ist das Graphic Recording und Eventzeichnen. Was genau versteht man darunter und wo liegen hier Unterschied und Herausforderung im Gegensatz zur »normalen« Illustration?

SL: »Graphic Recording« bedeutet das Anfertigen visueller Protokolle. Dies wird beispielsweise eingesetzt bei Firmenkonferenzen, Meetings oder Workshops. Die Menschen sprechen oder referieren über eine bestimmte Thematik und ich setze die Inhalte in Echtzeit und für alle ersichtlich (z.B. auf großen Flipcharts) in prägnante Bilder um.

Beim »Eventzeichnen« gehe ich auf Veranstaltungen und fange die Menschen, Szenerien und Stimmungen mit schnellen Zeichnungen ein. Ganz ähnlich wie ein Fotograf, nur mit Stift und Papier.

Beim »Graphic Recording« muss ich aus dem Kopf zeichnen, mich bereits Gesehenem bedienen und neue Bilder erfinden. Die große Herausforderung hierbei ist es, genau zuzuhören und zeitgleich die Inhalte in Zeichnungen zu übersetzen.

Beim »Eventzeichnen« zeichne ich einfach das, was ich sehe. Dies kommt meiner Zeichenweise, zumindest der, die ich in meinen Büchern praktiziere, recht nahe. Denn bei meinen Reise-Büchern entsteht das Wenigste an meinem Schreibtisch. Die Zeichnungen in meinem Österreich-Buch wurden allesamt direkt und vor Ort auf den Stationen meiner Reise angefertigt.

SB: Welches ist dein aktuelles Lieblingsbuch (egal welcher Art), bzw. welches hat dich zuletzt am meisten beeindruckt?

SL: Eines meiner absoluten Lieblingsbücher ist »Aber ohne mein Akkordeon bin ich nichts« von Johanna Benz. Ein wunderbar gezeichnetes Buch über einen teuflisch guten Akkordeonspieler.

Sehr gerne gelesen habe ich in letzter Zeit auch noch »Der Trafikant« von Robert Seethaler.

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Mehr zur Person: www.sebastian-loerscher.de