Was macht eigentlich …… Martin Mosch?

Martin Mosch ist Buchgestalter, Typografielehrer und Autor aus Berlin und mehrfaches Jurymitglied bei der Stiftung Buchkunst. Kürzlich hat er zusammen mit vielen anderen Jurykollegen die 25 Schönsten deutschen Bücher gewählt. Wir haben ihm einige Frage zur Auswahl der neuen »Kollektion« gestellt!

SB: Was ist für dich ein schönes Buch? Und welche Kriterien muss ein Buch erfüllen, um in die nähere Auswahl zu kommen?

MM: Ein schönes Buch muss stimmig sein. Außen und innen dürfen nicht getrennt voneinander, sondern im selben Duktus durchgestaltet sein. Und ganz wichtig: Die Gestaltung sollte auch wirklich dem Inhalt gerecht werden. Ein guter Buchgestalter muss für einen spezifischen Inhalt die richtige grafische Sprache finden – und sie auch über ein komplexes Werk durchhalten.
Entsprechende Kriterien sind dabei ein guter Umgang mit der Fläche, der Buchseite, und der Verteilung der druckenden und nichtdruckenden Teile. Die Typografie sollte sauber durchgearbeitet sein – mikrotypografische Sauberkeit steigert die Lesefreundlichkeit. So seltsam es sich anhört: bildlastige Bücher brauchen ebenso ein gutes typografisches Gespür, denn jeder Illustrationsstil, jede Bildsprache braucht einen eigenen typografischen Raum. Den zu erkennen und zu treffen – das ist auch ein Kriterium für gute Gestaltung!

SB: Ist die Bewertung eines Buches nicht eine sehr subjektive Angelegenheit? Kommt es da in der Jury auch mal zu scharfen Diskussionen und Unstimmigkeiten?

MM: Zum Glück gibt es einen recht validen ›Kriterienkatalog‹, der objektive Qualität ganz gut benennen kann und auch rekapitulierbar macht. Dennoch bleibt in der Bewertung von guter Buchgestaltung ein nicht unerhebliches Stück Subjektivität. Dazu gibt es dann die Mehrheitsfindung: einmal mehr, mal weniger lebhaftes Diskutieren untereinander. Schließlich setzt jeder – und das ist natürlich absolut legitim – seine Hierarchien etwas unterschiedlich. Dem einen ist das wichtig, dem anderen eher etwas anderes.

SB: Der Wettbewerb besteht aus verschiedenen Kategorien, u.a. »Kunstbücher«, »Kinderbücher« und »Allgemeine Literatur«. Wie beurteilt man denn die Schönheit eines Romans, bei dem es ja in erster Linie auf den Inhalt ankommt?

MM: Sicher, die Parameter guter Gestaltung bei einem Roman sind überschaubarer – aber dennoch gibt es hier immer wieder große Unterschiede in der Qualität. Das Cover muss stimmen, seine visuelle Lautstärke, die Treffsicherheit für das Sujet. Und das außen gezeigte muss sich im Innenteil der Gestaltung wiederfinden. Eigentlich ein leichtes – aber gerade bei Romanen wird die Covergestaltung häufig von einem anderen Gestalter betreut, als der Innenteil. Die Verarbeitung ist natürlich auch ein Kriterium, ebenso wie die Satzqualität.

SB: Welches ist dein persönlicher Favorit unter den aktuellen 25 Schönsten?

MM: Es gab verschiedene Bücher, die mich beeindruckt haben. In seiner Gesamtheit war es wohl ›Peter Behrens. Zeitloses und Zeitbewegtes‹. Ein sehr gekonnter Seitenaufbau mit vielen typografischen Raffinessen, feinen Ideen und einer zeitlosen Ästhetik. Ein großartiges Buch!
Aber ich hatte auch einen Favoriten, der es leider nicht unter die besten 25 geschafft hat: ›Der Baum der Jahreszeiten‹ – Ein Kinderbuch mit viel Feinsinn und grafischem Gespür. Ein Buch, das vom Verlag am besten mit Kamillentee und Zwieback ausgeliefert werden sollte, denn es macht rundherum wohlig und glücklich. Und genau das darf ein Kinderbuch!

Danke für das Interview!