EhrendiplomIran

Mohammad Reza Bayrami
Hello Stone (Sange Salam)
Asr-e Dastan

Gestaltung: Majid Zare
Illustrator: Amir Maftoon
ISBN: 978-600-6970-06-6


Wie gelingt es diesem Taschenbuch aus dem Iran, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ohne sie zu erheischen? Die zweifarbige Umschlagillustration erscheint wie eine bildliche Zusammenfassung der Fabel. Ihr einfacher, linearer Zeichenstrich baut in verschlungener Komposition eine starke Spannung auf. Das Relief der lackierten Schwarzform steigert die Kontraste. Die Neugier wächst, wenn man das Buch in die Hand nimmt und die auf den ungewöhnlich gestanzten Umschlagklappen fortgeführte Zeichnung zur Lektüre hereinwinkt.

In einer schönen Version sind die Informationen über den Autor dem Innentitel vorangestellt: auf verkürzten Seiten bräunlichen Papiers. Der Text in der kalligrafischen persischen Schrift steht in schwarzbrauner Farbe auf sehr gelblichem Papier, luftig gesetzt mit zwei Maßen des Einzuges. Alles wirkt fein und literarisch, das gedämpfte Farbklima freundlich und geheimnisvoll zugleich.


EhrendiplomNiederlande

Ben IJpma, Ben van Melick
Ik ben een gemankeerde saxofonist.
Lucebert & jazz
Huis Clos, Rimburg/Amsterdam

Gestaltung: Piet Gerards Ontwerpers
ISBN: 978-90-79020-21-8


Fette serifenbetonte Lettern nehmen sich selbstbewusst und lapidar ihren Raum auf den Flächen des Schubers. Sie sind so groß, dass die Worte nicht auf eine Seite passen und zack, hat man das Gebilde schon in der Hand und dreht es. Doch wo ist der Eingang? Der aus einem Teil raffiniert zusammengesteckte Karton des Schubers hat mehr als zwei Fugen, und so gerät bereits das Herauslösen des Buches zu einem Erlebnis.

Das zweite Erlebnis folgt sogleich, denn fast von allein fällt der hintere Umschlagteil durch den offenen Rücken und in die Hand. Dort sind in der Klappe zwei CDs mit Gummischaumpunkten elegant fixiert. Sie ergänzen das Thema dieses besonderen Buches: Die Verschränkung von Poesie und Jazz im bildnerischen und lyrischen Werk des Niederländers Lucebert.

Ruhige Typografie im Flattersatz, deutlicher Papier- und Schriftwechsel, dezente Paginierung, luftiger wie stabiler Umgang mit den Bildern und ein umfangreiches Register machen dieses thematische Kompendium zu einem funktionalen Vergnügen.


EhrendiplomNorwegen

Red. Audun Lindholm
Som fra mange ulike verdener
Om Ole Robert Sundes forfatterskap
Gyldendal Norsk Forlag AS

Gestaltung: Andreas Töpfer
Druck: TBB, a.s
Bindung: TBB, a.s
ISBN: 978-82-05-42995-6


Eine Aufsatzsammlung stellt nicht immer eine dankbare Aufgabe an die Buchgestaltung. Oft haben die Autoren ihren eigenen Anmerkungsstil, die Fußnoten kurz oder lang, mal gibt es längere Paratexte, mal ein Motto, mal ein paar Abbildungen. Abschnitte sind numeriert oder haben Zwischentitel oder auch nicht, hin und wieder gibt es Aufzählungen, mal sollen umfangreiche Zitate eingerückt werden, mal stehen sie im Text kursiv.

So auch hier in der Sammlung von Beiträgen zum Werk des norwegischen Schriftstellers Ole Robert Sundes. Der Buchtypograf geht mit diesen redaktionellen Unabdingbarkeiten offensiv um. In einen soliden klassischen Satzspiegel lässt er je nach Bedarf die Anmerkungen als Marginalie in ungefährer Höhe der zugehörigen Textstelle mit dem Satzspiegel überlappen, die Buchtitel der zitierten Autoren stehen kursiv und unterstrichen. Diese Beispiele waren einmal in der orthodoxen Lehre nicht unbedingt Ausweis lesetypografischer Feinfühligkeit. Hier jedoch tragen sie zu einer Lebendigkeit bei, die nicht bloß formal ist. Die Kapiteleingänge sind großzügig mit abstrakten, symbolischen Grafiken wie eigene Titelblätter gestaltet.

Die Sorgfalt der Ausstattung reicht bis zur dezenten Hochprägung der Zeilen auf dem Titel des Pappbandes, die Strahlkraft der Kombination von Grau und Orange wirkt über das farbintensive Vorsatz bis weit in den Inhalt hinein.


EhrendiplomChina

Organizing Committee of “The Beauty of Books in China” of Shanghai Press and Publication Administration
The Beauty of Books in China 2010–2012
Shanghai People’s Fine Arts Publishing House

Gestaltung: Liu Xiaoxiang, Liu Xiaoxiang Studio
Fotografen: Ding Guoxing, Liu Xiaoxiang Studio
ISBN: 978-7-5322-8554-9


Der dicke, große Quartband über schöne Bücher in China zählt 294 Seiten. Bei diesem Gewicht und dem dünnen Papier klingt das seltsam. Es ist in der Tat auch viel mehr Papier im Spiel. Denn durch die moderne Interpretation der Japanbindung – gefalzte Blätter, deren offene Seiten am Bund geheftet sind und deren Falz nach außen zeigt – hat über 240 ungezählte sichtbare Seiten. Ganz genau ablesen lässt es sich von der didaktischen Banderole, die um den beidseitig offenen Schuber gelegt ist.

Das Konzept ist bestechend, mit dem die 60 Bücher vorgestellt werden: Linksseitig ein Bild des Buchäußeren, rechts der Jurytext und technische Angaben. Und dann klappt man einen Wickelfalz bedächtig aus, sodass auf der Breite von vier Seiten am Stück einfühlsam fotografierte und perfekt gedruckte Ansichten intuitiv, beruhigend und aufregend zugleich angeordnet sind. So sehr kommt die Gestaltung dem Betrachter entgegen, dass er glaubt, die abgebildeten Bücher schon selbst in den Händen zu halten.

Diese aufwändige Verarbeitung zwingt zu einer langsamen Handhabung, Daumenkino ist nicht möglich. Für diese niedrige Geschwindigkeit ist man dankbar, denn so kommt die Kostbarkeit der guten Gestaltung – der 60 schönen Bücher wie des Kataloges – wunderbar zur Geltung.


EhrendiplomJapan

Yuan Okada
tottorich
Doyo Bijutsusha Shuppan Hanbai

Gestaltung: Masahiko Nagasawa
Druck: Morimoto Print Co., Ltd.
Bindung: Morimoto Print Co., Ltd.
ISBN: 978-4-8120-1955-9


Minimalismus ist kein Synonym für Askese. Jedenfalls ist die Ausstattung dieses stillen japanischen Lyrikbandes aufwändiger, als der erste Blick vermuten lässt. Der Umschlag aus einem grauen matten Papier mit den wenigen Zeilen und Formen ist dreifarbig bedruckt. Für den Bezug des schmalen Pappbandes mit rundem Rücken dient ein blaugraues Papier, die Banderole ist in einer weiteren Graunuance flächig bedruckt.

Gelbes Vor- und Nachsatz mit dem gelben Kapitalband scheint wie helles Licht durch den grauen Himmel. Und bevor die senkrechten japanischen Verse wie in Ketten herabhängend luftige Schleier auf die Seiten zaubern, stehen die grau gedruckten Titelzeilen auf einem eigens angeklebten Papier von eigener Qualität – mit einem Strichelornament in Wasserzeichentechnik.

Für die Einschätzung der typografischen Ästhetik muss es kein Nachteil sein, das Japanische nicht lesen zu können. Gerade dann fällt wieder einmal auf, dass das Papierweiß kein leerer Zwischenraum ist, sondern ein Feld von ruhigen Zwischentönen.