SilbermedailleÖsterreich

Helmuth Lethen, IFK
Katalog der Unordnung
20 Jahre IFK
Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften an der Kunstuniversität Linz, Linz

Gestaltung: Christoph Schörkhuber, Linz
Druckerei: Grasl Fairprint, Bad Vöslau


Dieses Buch könnte auch betitelt sein: Katalog der Ordnung. Das ist der ironischen Anleihe klassischer Schweizer Typografie zu verdanken, mit der die Makrostruktur des österreichischen Buches organisiert ist. Groteskschriften, Beschränkung auf drei Schriftgrade, anaxialer Satzspiegel mit Marginalspalte, Kopfsteg mit üppigem Weißraum und lebendem Seitentitel, ausführliches Inhaltsverzeichnis mit Vorworten auf grauem Karton.

Aber dann verwundert doch Einiges. Die Bestandteile des Buches werden in dem multiplen Inhaltsverzeichnis immer wieder neu sortiert. Erst mit der fünften Liste gelangt man zum gewohnten Inhaltsverzeichnis, das hier konsequent die Überschrift trägt: Seitenzahlen. Im Buchinneren ist die Satzkolumne nicht fixiert, sie tauscht je nach Anlass mit der Marginalspalte ihren Platz.

Aber der Clou ist die Schrift. Im Bleisatz geschah es damals gelegentlich, dass sich eine Letter aus einer anderen Type in die Druckzeile mogelte. Das war dann in der Druckersprache ein Zwiebelfisch. Hier besteht der komplette Satz ausschließlich aus Zwiebelfischen, acht verschiedene Grotesktypen sind wild zusammengewürfelt. Und dieser Gipfel des typografischen Chaos erzeugt überraschenderweise ein angenehm flirrendes Schriftbild. Ordnung oder Unordnung ist eine Sache der Perspektive, aus der man auf die Komplexität der Gegebenheiten blickt.


SilbermedailleÖsterreich

Lisa Maria Matzi
Schwarze Hunde & Bunte Schafe

Gestaltung: Lisa Maria Matzi, Wien
Druckerei: Höhere Graphische BLVA, Wien


Die Autorin und Buchgestalterin in Personalunion stellt in ihrer Diplomarbeit ihre Familie vor. Ausgehend von der alternativen Wohngemeinschaft der Eltern entfaltet sich ein sympathisches Panoptikum, mit großer Offenheit, Witz und subjektiver Selbstdistanz. So unkonventionell wie die Familienmitglieder in den Episoden und Zitaten erscheinen, genauso erscheinen die Texte und Bilder auf den Buchseiten. Eigentlich könnte man dafür eine neue Gattungsbezeichnung einführen: Lustige Typografie.

Völlig undramatisch erfährt der Leser von Absurditäten und Marotten, genauso leichtfüßig ist der typografische Umgang der Autorin. Die scheinbar aus dem Kontext gezogenen Zitate stehen in einem unterschwelligen typografischen Zusammenhang, Verweise und Diagramme sind nüchterne Mittel zur Steigerung der Komik. In traditionellen Buchmaterialien, in Druck und Bindung fein verarbeitet, setzt sie dem flüchtigen Familientheater ein persönliches Denkmal.

Entgrenzung des Alltags, Entgrenzung der Buchseiten: Es ist herrlich zu lesen und zu sehen, wie lebensecht dadaistische Energie auch heute sein kann.