Luis Adrian Borchardt
Anti-Environments
Über das Erkunden von unkonventionellen Tools durch Friction und Norm-Bending
- Kategorie
- Fachbücher - Wissenschaftliche Bücher - Schulbücher
Begründung der Jury
Ein Buch, das erschlossen werden möchte: In „Anti-Environments“ ergründet der Gestalter Luis Adrian Borchardt, ob und inwiefern die Zweckentfremdung digitaler Werkzeuge sowie alternative Designprozesse neue kreative Potenziale in sich bergen. Bildserien dokumentieren die Resultate seiner Untersuchungen und legen zugleich die Prozesse im Umgang mit unkonventionellen Tools offen. Vollständig in Google Sheets und damit unter Zweckentfremdung einer Tabellenkalkulationssoftware gestaltet, untermauert das Buch seine Auseinandersetzung nicht physisch, sondern verfolgt zugleich ein offenes und demokratisches Publikationskonzept. So lässt sich das Buch direkt aus dem Web ausdrucken und niedrigschwellig verbreiten.
Anreize für die Print-Ausgabe gibt es jedoch zahlreiche, macht doch die Buchgestaltung das abstrakte Thema im wahrsten Wortsinn greifbar: Der raue, unprätentiöse Umschlag mit nach außen umgeschlagenen Klappen lässt auf den ersten Blick erahnen, dass hier mit klassischen Buchkonventionen gebrochen wird. Von einer Schweizer Broschur umschlossen, hält im Inneren eine Abheftbindung gefaltete A4-Bögen als „Buchblock“ zusammen. Für Orientierung sorgt ein Index auf der hinteren Coverklappe, der beim Blättern stets sichtbar bleibt. Auch das beiliegende Lesezeichen wurde zum Gestaltungselement umgewidmet und dient als Raum für den Klappentext. „Die Sperrigkeit des Buches passt außerordentlich stimmig zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit reibungslosen Abläufen, Irritationen und Widerständen“, resümierte die Jury, die darüber hinaus auch die Schrift- und Papierwahl als besonders gelungen hervorhob. Quod erat demonstrandum – eine Publikation als Beweis ihrer eigenen These.


