Sabine Flaschberger; Petra Schmid
König Hirsch
Die Tragikomödie von Carlo Gozzi als Marionettenspiel von Sophie Taeuber-Arp, René Morax und Werner Wolff
- Kategorie
- Kunstbücher - Fotobücher - Ausstellungskataloge
Begründung der Jury
In seinem tragikomischen Märchen „König Hirsch“ erzählte der Theaterdichter Carlo Gozzi 1762 von der Intrige am Hof des Königs Deramo, in deren Folge dieser vorübergehend in einen Hirsch verwandelt wird. Mehrfach in unterschiedlichen Kunstformen adaptiert, entstand 1918 unter anderem für die Werkbund-Ausstellung in Zürich ein Marionettenspiel von René Morax und Regisseur Werner Wolff. Sophie Taeuber-Arp schuf für diese Commedia dell'arte sowohl das Bühnenbild als auch die markant geometrischen Figuren, die als Meilenstein der Objektkunst gelten.
Erstmalig kann nun der deutsche Originaltext dieser „König-Hirsch“-Adaption auf sehr sinnliche Weise studiert werden. Neu aufgenommene Fotografien der siebzehn ikonischen Marionetten werden hier auf Aufklappseiten so opulent wie lebendig in Szene gesetzt, wobei sich der Text in silberner Sonderfarbe elegant zurücknimmt. Mehrfache Papierwechsel gliedern die unterschiedlichen inhaltlichen Ebenen und führen intuitiv durch Bildstrecke, Originaltext sowie begleitende Essays. Die moderne, ebenfalls variantenreiche Typografie sowie ein feinfühlig austarierter Satz sorgen dabei für einen spannend choreografierten Rhythmus – so, als wäre man selbst auf der Bühne, wie die Jury anmerkte. Ihr entging auch nicht die handwerklich präzise Herstellung, die sich bereits auf dem goldgeprägten und mit Siebdruck versehenen Leinencover zeigt, das ungewöhnlich weit über den Buchblock ragt. Ein Lesebändchen ergänzt die farbige Fadenbindung und greift subtil die Schnüre von Marionetten auf – ein Detail, das eine reizvolle physische Brücke schlägt. „Applaus, Chapeau und Zugabe“, lobt die Jury.

