Oswald Egger
Oskar Fiala und das Prinzip der kleinsten Wirkung
- Kategorie
- Allgemeine Literatur
Begründung der Jury
In der Belletristik spiegelt sich der Inhalt meist bildlich auf dem Cover wider und präsentiert die Essenz oder aber ein Schlüsselmotiv. Bei „Oskar Fiala und das Prinzip der kleinsten Wirkung“ ist es die Abstraktion, die die Sprachgewalt Oswald Eggers atmosphärisch einfängt und eher mit einem diffusen Gefühl, denn mit einem konkreten Hinweis konfrontiert. Der Moiré-Effekt des Folienumschlags erzeugt ein dichtes Muster, das je nach Blickwinkel stets in Bewegung zu sein scheint. Die ineinanderlaufenden Quadrate lassen sich dabei als Sinnbild für das ruhelose Leben und die dissoziative Persönlichkeitsstörung Oskar Fialas lesen, dessen Geschichte der Autor in einer ungewöhnlichen Annäherung nachzeichnet. Dabei handelt es sich weder um
einen Roman noch eine Biografie, sondern um ein vielschichtiges Werk, das einen biografischen Kern poetisch umspinnt. Wie in einem Gewebe greifen bei Egger Gedanken, Erinnerungen und Erlebnisse ineinander; der Verlag spricht von einem Text, der aus vielen Fäden ein einziges dichtes Gefüge formt. Struktur geben hierbei immer wieder neu arrangierte, in sich verwobene Gitterdarstellungen, die den Absätzen als Vignetten vorangestellt wurden und dem Lesenden eine Art „visuelle Verschnaufpause“ schenken. In perfekter Harmonie präsentieren sich zudem Satzspiegel und Buchformat, wie die Juroren vermerkten. Sie würdigten darüber hinaus „das stimmige Gesamtkonzept, die hochwertige Papierwahl und die vielen Details“, zu denen neben der bewussten Platzierung weniger Illustrationen auch die unterschiedliche Farbigkeit von Vor- und Nachsatz zählt. Es gilt, viele buchgestalterische Feinheiten zu entdecken, die Aufmerksamkeit einfordern – wie das gesamte Werk Oswald Eggers.


