Stacy Skolnik
The Ginny Suite
- Kategorie
- Allgemeine Literatur
Begründung der Jury
Der holografische Einband von The Ginny Suite mit schwarzer Prägung des Titels und Klappentextes gibt eine leise Vorahnung, dass hier kein braver Roman auf den Lesenden wartet. Tatsächlich handelt es sich um eine eher düstere, spekulative Collage aus Geschichten und Gedichten, Tagebucheinträgen und Anzeigen, die in einer mehrseitigen Auflistung von Webadressen mündet. Alles dreht sich um ein mysteriöses Syndrom, das vorwiegend Frauen betrifft und zu Sprachverlust sowie Unterwürfigkeit führt. In Stacy Skolniks Gedankenexperiment haben Themen wie KI, Überwachung, Desinformation in ihrer Aktualität ebenso Raum wie Überlegungen zu Geschlechterrollen, Bioethik und modernen Zivilisationskrankheiten.
Der Vielschichtigkeit der Themen – oder vielmehr deren Sprünge – galt es, Struktur zu verleihen, ohne Dynamik zu verlieren. „Hier schafft der lebendige Satz einen mühelosen Spagat zwischen zeitlos und zeitgemäß“, notierte die Jury begeistert. Die solide Serifenschrift wird dabei immer wieder durch das Aufgreifen des verspielten Cover-Fonts aufgelockert, während großzügige Stege für eine angenehme Zeilenlänge sorgen.
Abgesehen von dem funkelnden Bezug der Graupappe wurde auf unprätentiöses Material gesetzt, das – so die Vermutung der Jury – ganz bewusst „shabby“ wirkt. Eine graue Papierfärbung und die raue Oberfläche im Innenteil sind zudem keine spektakulären, wohl aber lesefreundliche Attribute. Die eigentliche Besonderheit dieses Titels ist jedoch in der fein orchestrierten, stimmigen Gesamtheit zu finden, die den literarischen Stilmix aus Poesie und Online-Sprech visuell wie haptisch übersetzt. „Vielleicht sieht so das neue, post-digitale Taschenbuch aus?“, stellte die Jury-Runde zur Diskussion. In jedem Fall ist es ein „supercooles Buch“!


