Celia Joy Homann
Vulvodynie
Schmerz der Weiblichkeit
Begründung der Jury
Das vorliegende Buchobjekt ist das Gegenteil eines Handschmeichlers. Schmirgelpapier umspannt die größte Fläche des Covers. Ausgelaserte Aussparungen lassen eine glänzende rote Folie hervorblitzen und formen zugleich abstrahierte Schamlippen sowie die Lettern des Buchtitels.
Ausgehend von der chronischen Schmerzerkrankung Vulvodynie versucht die Initiatorin, ein häufig unsichtbares und nicht diagnostiziertes Leiden sichtbar wie greifbar zu machen. Gemeinsam mit verschiedenen Betroffenen wurden eigene visuelle Zugänge für dieses besonders intime und schambehaftete Themenfeld entwickelt und umgesetzt.
Beim Öffnen des rötlichen Buchblocks stößt man zunächst auf eine Zweiteilung der Erzählstränge. Beide Aufschlagseiten bestehen aus glänzender semitransparenter roter Folie, die das Erahnen des folgenden Inhaltes noch verbergen. Der linke Erzählstrang umfasst Perspektiven erkrankter Personen, die anhand von Interviewfragen ihre persönliche Geschichte schildern: Diagnosen, das Gefühl missverstanden zu werden und individuelle Wege im Umgang mit den Schmerzen. Rote Schrift, rote Farbverläufe im Bund und in Rot verwischte abstrahierte Porträts verdichten die emotionale Atmosphäre. Ergänzt wird dieser Teil durch ein Glossar, Stimmen aus Medizin und Therapie sowie Informationen zu möglichen Behandlungsansätzen, die weiteres Wissen zum vergleichsweise unbekannten Krankheitsbild vermitteln.
Dem gegenüber steht eine fotoessayistische Bildstrecke, die sich aus den geführten Gesprächen nach und nach entwickelt hat. Besonders prägnante Zitate begleiten die verschiedenen fotografischen Bildansätze.
Ein mutiges Projekt, das inhaltlich, visuell und haptisch eindrücklich von den körperlichen und emotionalen Belastungen eines weitgehend unbeachteten Leidens erzählt.


