Aleksandar Živković
Was bleibt vom Opelaner ohne Opel-Werk?
Begründung der Jury
„So bleibt das Bild, dass ein Weltunternehmen sich klammheimlich davon macht.“ Die Schließung der Opel-Werke in Bochum zog sich über mehrere Jahre bis zum endgültigen Aus im Jahr 2014, als der Abriss bereits im Gange war.
Der Autor begibt sich auf die Suche nach dem Lebensgefühl dieser Menschen, die sich in ihrer jahrzehntelangen Verbundenheit von ihrem Arbeitgeber enttäuscht sehen. Ein wichtiges Kapitel im Buch machen die Interviews mit ehemaligen Beschäftigten aus, die Gartengespräche. Sie wurden während der CoV2-Epidemie im Freien geführt, dort entstanden auch die fotografischen Porträts. Die Bildstimmung wirkt schon fast versöhnlich, auch Dank der präzisen Reproduktion. Die Punkte des wilden Rasters sind in diesem Digitaldruck so winzig, dass man sie selbst unter der Lupe nur erahnen kann.
Etwas typografisch eigentlich Normales entwickelt sich in diesem Buch zu einem multiplen Gliederungswerkzeug: der Absatzeinzug. Die Antworten in besagten Gartengesprächen werden um Einzugbreite eingerückt. Besteht die Antwort aus mehreren Absätzen, rückt der zweite Absatz wieder nach außen, ein dritter dann wieder nach rechts. Dieses Prinzip wird auch auf den vorangestellten Aufsatz übertragen. So entsteht ein äußerst anregendes, lebhaftes Satzbild.
Dem Vorsatzpapier des Buchblocks wurden Pappen aufkaschiert; das macht den Band zur Steifbroschur. Dadurch, dass die Hinterklebung mit weißem Schirtinggewebe sichtbar bleibt, erscheint das Buch so, als wäre es dem laufenden Produktionsbetrieb entrissen. Da muss man wieder an die Opelaner ohne Opel-Werk denken.